Meine schwerste mentale Herausforderung

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Hallo liebe Blogleser,

die Entscheidung für meinen neuen Blogbeitrag war nicht einfach. Denn es geht um eine sehr private Sache – doch ich finde es wichtig darüber offen zu schreiben. Wie ich bei meinem 85-jährigen Vater zwischen altersbedingten Krankheiten und jetzt Pflege – wichtige Entscheidungen treffen musste. So dass ich ihn dieses Jahr schon 8x ins Krankenhaus einliefern musste.

Alles begann im Februar, das er wegen seiner vergrößerten und schmerzenden Prostata ins Krankenhaus (Schwäbisch-Hall) eingeliefert werden musste. Nach langem hin und her mit dem Arzt (iranischer Arzt der nicht richtig deutsch kann, und fachlich nicht den besten Eindruck machte, und eher wie ein Pfleger wirkte.) musste wegen des Drucks beim Wasserlassen ein Blasenkatheter gelegt werden. Der Katheter sollte nach 8 Wochen wieder heraus kommen (dieser muss nach 4-6 Wochen, bei einem ambulanten Arzt, wieder gewechselt werden). Nicht nur das man für den Krankentransport eine Bescheinigung vom Arzt braucht, ist auch noch die Bestätigung der Krankenkasse nötig. Also nicht nur eine echte Rennerei, und echt zeitaufwendig. Anstatt dies alles über eine Stelle zu regeln. Willkommen im Gaga-Gesundheitssystem – was in dem Artikel noch des Öfteren bewiesen wird.

Wir näherten uns dem Termin von 8 Wochen, so dass der Katheter wieder entfernt werden sollte. Wichtig zu wissen ist, so ein Katheter ist ein absoluter Fremdkörper, und möglichst schnellstens wieder zu entfernen (wenn möglich!).

Da mein Vater nur zu Hause laufen kann, ist er sonst auf den Krankentransport angewiesen. Einen Tag vor der Entfernung kam ein kapitaler Rückschlag: Er stürzte schwer, und viel auf seine operierte Hüfte. So war der Katheter-Wechsel hinfällig, und er musste wieder ins Krankenhaus, wegen des Sturzes. Zum Glück konnte er konventionell behandelt werden, und musste nicht wieder operiert werden. Doch nach 2 Wochen im Krankenhaus hatte sich seine Mobilität stark eingeschränkt und seine Muskulatur (normal im Alter!) hatte abgebaut. Nicht nur das wir jetzt wahrscheinlich mit dem Katheter leben mussten (was noch stärkere Probleme machte!) – er brauchte jetzt auch noch Physiotherapie zu Hause. Wieder Rennerei zwischen Ärzten und Krankenkasse für die Genehmigung. Was mich nun neben der beruflichen Seite körperlich und Mental sehr beanspruchte. Für meinen Vater war die Lage natürlich auch psychisch und körperlich belastend. Es war für ihn schwierig diese Situation zu akzeptieren, und es kam Resignation dazu. Hier musste ich als Sohn und Motivator zusätzlich mentale Kraft geben.

Zu allem Überfluss sollte uns jetzt der Katheter richtig Probleme machen. Das Martyrium hatte seinen Anfang, das mein Vater Blut im Katheter-Beutel hatte (zusätzlich auch starke Schmerzen). Jetzt musste er wieder ins Krankenhaus (eigentlich sollte es Gesundheitszentrum heißen), und zwar nach Künzelsau (Abteilung Urologie/ die Ärzte haben noch eine eigene Praxis und sind nicht immer vor Ort). Was im nachhinein sich herausstellte ist der Oberarzt kompetent, doch der Stationsarzt keineswegs. Jetzt wurde die Katheter-Stelle mit 50 Beuteln Salzlösung gespült, und nach 1 1/2 Wochen wurde er (anscheinend gesund) wieder entlassen, und mit dem Krankenwagen nach Hause gebracht (was jedesmal für ihn sehr anstrengend war). Erst war alles wieder normal, und das Blut aus dem Beutel war nicht da. Doch nach einer Woche wendete sich das Blatt, und das Blut kam wieder. Diesmal war es spät am Abend, und ich musste den Notfallarzt rufen. Als der kam wollte er meinen Vater nicht direkt ins Krankenhaus einweisen. Als Lösung (was sich später noch als falsch rausstellte!) wollte er den Katheter vor Ort wechseln. Also wurde ich noch zur späten Stunde ein Assistenzarzt, und durfte beim Wechsel helfen. Nicht gerade angenehm und unblutig! Da das Blut den Katheter-Kanal verstopfte, war es ein Fehler die Öffnung des Röhrchens kleiner zu wählen. Der Druck (für meinen Vater) löste sich zwar, doch das Blut kam wieder. Das Ende der notärztlichen Verfehlung – er musste wieder ins Krankenhaus. Dieses Spielchen wiederholte sich noch mehrmals, bis ich mit dem Stationsarzt ein Hühnchen zu rupfen hatte. Und ich ihn im hohen Grade der Erregung fragte: „Ob das Studium bei ihm nicht gefruchtet hat, und das er endlich mal die Ursache suchen sollte!“ Nach langem hin und her kümmerte sich der Oberarzt drum, und er kam zum Schluss das der Katheter vom Durchmesser größer gewählt werden muss. Weiterhin muss mein Vater mehr Wasser trinken (damit das Röhrchen nicht an der Prostata reibt!).

Hallo – hätte man da nicht früher mal drauf kommen können? Man hätte meinem Vater viel Schmerzen erspart, meiner Mutter + meine Nerven geschont, und dem Gesundheitssystem Kosten erspart. Einfach in jeder Hinsicht GAGA und nicht nachvollziehbar!

Jetzt war er wieder zu Hause, und seine Muskulatur hatte weiter abgebaut. Durch den Kraftverlust war er nur sehr schwer zur Physiotherapie zu bewegen. Hier war wiederpsychologische Gespräche und Aufbauarbeit zu machen.

Die Kraft holte ich mir bei meinem Glauben, Meditation, und Atemübungen (Hong-Soh-Atmung nach Tepperwein).

Es war die ganze Zeit ein auf und ab wie bei einer Achterbahn. Von kurzzeitigen Erfolgen zu Rückschlägen. Langsam besserte sich zwar seine Muskulatur, doch jetzt kam eine teilweise Stuhlgang-Inkontinenz dazu. Manchmal merkte wenn er auf das WC musste und manchmal nicht. Irgendwann musste meine Mutter und ich mir eingestehen, das wir eine Pflege beantragen mussten. Durch die 2x wöchentliche Katheter-Wundversorgung hatten wir hierfür ja schon den Pflegedienst von der Diakonie. Wer macht schon gerne die Hygiene nach dem Stuhlgang. Trotzdem hatte ich das auch 2x gemacht. Doch 24 Stunden kann ich auch nicht vor Ort sein.

Das dies noch nicht anstrengend genug war, fing er jetzt an auch weniger zu essen. Also muss man jedem Bissen hinter her sein. Möglicherweise hängt das auch mit dem nicht zu kontrollierenden Stuhlgang zusammen. In seinem Kopf spielte sich wohl ein Film ab: Wenn er nicht zuviel isst, dann hat er auch nicht so viel Stuhlgang. Denn geistig ist er noch 100% da …!

Nachträglich muss ich jetzt noch eine 2-fache Krankenhaus-Episode hinzufügen: Zum Ersten war er nochmals im Krankenhaus, weil er weniger gegessen hat. Man dachte irgendetwas mit dem Magen oder Darm, nachdem man völlig umsonst eine Magen- und Darmspiegelung gemacht hat, hielt man es noch für nötig kurz vor der Entlassung, zum Durchleuchten der Harnröhre in das 35 km entfernte Schwäbisch-Haller Krankenhaus an einem Tag ihn hin und her zu fahren. Statt ihm noch einen Tag Kräftigung zu geben, entließ man ihn am nächsten Tag, mit dem lapidaren Satz: „Wir sind ja kein Pflegeheim!“ Wo bleibt da die menschliche Wertschätzung und die Herzlichkeit? Jetzt aber der Hammer: Die Ärzte haben nicht festgestellt das er eine beginnende Thrombose im rechten Bein hat. Was erst heute (neuer Eintrag vom 27.8.13) nach Bestellung seines Hausarztes vom ihm erkannt wurde, und so dass er heute deswegen wieder ins Krankenhaus musste. Wo bleibt die Qualität der Ärzte? Sie studieren und werden Theoretiker, um so gleich ins kalte Wasser geschmissen zu werden, um sich dann an den Patienten aus zu probieren. Geht es noch? Hier sollte man auch mal die Politik fragen was da falsch läuft? Wo steuert unser Gesundheitssystem hin?

Trotz alle dem ist es nur die Thrombose, ansonsten ist mein Vater gesund und geistig voll da.

Jetzt sind wieder jede Menge Gespräche und mentale Aufbauarbeit nötig. Wir werden gemeinsam mit der Familie nicht aufgeben, und es wieder mit ihm zusammen packen.

Nie würde ich meinen Vater ins Pflegeheim geben!

Die ältere Generation sollte in jeder Hinsicht mit Würde altern.

Wenn Sie auch in so einer Situation sind, überlegen Sie jede Entscheidung genau. Überprüfen Sie die Ärzte und möglicherweise holen Sie sich mehrere Meinungen ein. Unser Gesundheitssystem ist leider nicht so gut wie wir es gerne hätten, und leider wird es nicht besser! Ich wünsche Ihnen dabei alles Gute und immer die richtige Entscheidung …

Einwurf: Leider ist mein Vater durch die Anstrengungen und den Kraftverlust der vielen Krankenhausaufenthalte am 10.09.2013 friedlich eingeschlafen und von uns gegangen. „Gott hat ihn bei seinem Namen gerufen, und ihn jetzt selig zu sich genommen!“

Mit den besten mentalen Erfolgsgrüssen,
Swen-William Bormann 😉 Wenn Du es träumen kannst, dann kannst Du es auch: “Einfach tun”!

15 thoughts on “Meine schwerste mentale Herausforderung

  1. Ich finde Ihre mentale Stärke beachtlich! Nicht nur, dass Sie selbst mit der Situation klar kommen mussten, Sie fungierten auch noch als Stütze und Motivator für Ihren Vater. Beachtliche Leistung und Hut ab! Ich wünsche Ihrem Vater und Ihnen das Beste für die Zukunft.

    PS: Sehr interessant, mit welchen Methoden Sie Ihre inneren Kräfte wieder aufgeladen haben!

    • Hallo Micha,
      Danke für die Anerkennung und die Wünsche.
      Viel Spaß beim Umsetzen der Übungen.

      Mit den besten mentalen Erfolgsgrüssen,
      Swen-William 😉 Wenn Du es träumen kannst, kannst Du es auch tun!

    • Danke für die lieben und freundschaftlichen Wünsche, lieber Werner.
      Im Moment geht es Gottseidank wieder Berg auf …
      Gesundheit ist das Wichtigste – das sollten wir uns alle vor Augen halten.

      Liebe Grüße an Deine Partnerin und Dich, Swen-William 😉

  2. Gesundheit ist das wichtigste – ja, diese Erkenntnis sollte wir uns alle regelmäßig vor Augen halten. Vorallem auch Selbstständige und Unternehmer wenn es da wieder heißt „Nur noch schnell diesen einen Kunden/ dieses eine Projekt. “
    Mit Ärzten ist es nicht anders wie mit anderen Menschen – es gibt solche und solche – das komplizierte und untransparente Gesundheitssystem erledigt den Rest. Fehler sind menschlich und dennoch müssen wir daraus lernen.
    Im Moment bin ich dankbar das ich eine solche Erfahrung noch nicht machen musste.

    In diesem Sinne gute Gesundheit und viel Kraft für ihre Aufgaben

    Klaus

    • Lieber Klaus,
      Danke für den sinnvollen Einwurf, und die herzlichen Wünsche.
      „Gesundheit ist alles, und ohne Gesundheit ist alles nichts!“

      Mit den besten mentalen Erfolgsgrüssen,
      Swen-William 😉 If you can dream it, you can do it!

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  6. Viele junge Leute (zu denen auch ich noch gehöre) plagen sich mit sogenannten „Luxusproblemen“: allen geht’s gut, alle sehen gut aus, alle wollen Karriere und müssen sich nicht von Null aufbauen sondern haben meistens schon einen guten Grundstock an Geld und Bildung von daheim mitbekommen. Die Ansprüche an das Leben und die anderen sind enorm, da verliert der eine oder andere den Anschluss an das busy-life eben derer. Oberflächlichkeit herrscht unter den jungen, dynamischen und „erfolgreichen“ Menschen – bis sie dann plötzlich älter werden, die Fassade bröckelt, die Kinder kommen und sie merken: sie sind nicht perfekt, verfallen und ihr bisheriges Ellbogen-Lebensmodell könnte sich nun nachteilig auswirken.
    Bis dahin vergeht aber meistens eine ganze Weile.
    Einige andere müssen es schon früher feststellen: zB eben durch die Krankheit der Eltern. Auch ich habe eine ähnliche Geschichte. Bin selbst noch jung, aber habe nun erst den Wake-Up-Call erhalten… Ich hoffe, dass meine Generation das auch bald in der einen oder anderen Form mitbekommt und umdenkt. Die Oberflächlichkeit und das Nicht-Besinnen-wollen auf die wirklich wichtigen Dinge wie Gesundheit, Gerechtigkeit und Zufriedenheit zerstören die Westliche Wohlstandsblase von innen!

    • Hallo Daniel,

      Danke für Deine Meinung – ja es wird ZEIT!

      Alles Gute und viel Glück für Deinen Weg!

      Mit den besten Siegercoach-Grüssen,
      Swen-William 😉 Siegen ist kein Zustand sondern ein Prozess!

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